tazlab 2013 | Stellungnahme seitens der taz Leitung erwünscht

Aktualisiert: 03.05.2013 | 11:00

 

Am Samstag, 20. April nahm einer unserer Vorstände an einem Podium des tazlabs 2013 teil. Einige Schwarze Personen, u.a. auch ISD Mitglieder, waren im Publikum. Auf dem Podium sollte es um Sprache, Satire und Antidiskriminierung gehen. Leider endete es im Eklat. Es wurde weder vor Ort, noch unmittelbar nach der Veranstaltung eine offizielle Kontaktaufnahme seitens der taz versucht. Stattdessen sind einseitige Artikel erschienen, die über die Geschehnisse hier (noch am 20. April veröffentlicht) und hier (am 22. April veröffentlicht) berichten. Wir veröffentlichen deshalb hier die Stellungnahme von Sharon Dodua Otoo und den Briefwechsel zwischen ihr und der taz Leitung.

Wir halten die bisherige Reaktion der taz für nicht ausreichend und respektlos. Angemessen wäre eine Bitte um Entschuldigung an die Teilnehmer_innen der Veranstaltung und eine öffentliche Stellungnahme seitens der taz Leitung.

ISD Vorstand

 

22. April 2013

Email an:

Ines Pohl (Chefredaktion): ipo@taz.de
Jan Feddersen (Organisation taz.lab): feddersen@taz.de
Kornelia Gellenbeck (Genossenschaft): konny@taz.de

von:

Sharon Dodua Otoo

 

Ich möchte wie folgt Stellung zu der Panel-Diskussion „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“ nehmen, an der ich vorgestern teilgenommen habe.

Zunächst möchte ich mich für die Einladung bedanken. Trotzdem. Ich habe mich ernsthaft sehr gefreut auf die Möglichkeit, an einer Diskussion über anti-diskriminierende Sprache und Satire mit Leo Fischer und Mely Kiyak teilzunehmen. Mit entsprechender Moderation wäre das sicherlich ein sehr interessanter Austausch geworden.

Ich finde es wichtig und richtig, wenn eine etablierte Zeitung sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Wie ich lese hat die TAZ, wie viele andere deutsche Zeitungen auch, große finanzielle Schwierigkeiten. Die TAZ muss in die Zukunft schauen und dort gilt es endlich anzuerkennen, dass die Leserschaft nicht exklusiv weiß, männlich, hetero und christlich- geprägt ist. Das ist keine leichte Aufgabe. Das bedarf vieler Arbeit, Leute müssen sich mit dem Thema auseinander setzen, es müssen Koalitionen und Bündnisse gebaut werden. Ich habe mich auf die Diskussion gefreut, weil ich die leise Hoffnung hatte, dass die Veranstaltung so gemeint war.

Gestern habe ich leider schmerzhaft erfahren müssen, dass ich mich gewaltig geirrt habe. Im Nachhinein sehe ich, dass ich das bereits im Vorfeld hätte sehen müssen, denn:

1. _Es gab kein Honorar_. Ich finde es bedenklich, dass die TAZ kein Budget hatte, weder für das Podium noch für das Schreiben, das ich für die Publikation verfasst habe – doch aber Eintritt verlangte und das Buch verkaufte. 10,00 € sind nicht wenig Geld. Ich habe von meiner Ansprechperson verstanden, dass ich vielleicht eine Aufwandsentschädigung bekommen könnte, da ich keine Reise- oder Übernachtungskosten hatte. Ich habe deutlich gemacht, dass ich zwar bereit wäre, aus Solidarität mit der TAZ, ohne Honorar an der Diskussion teilzunehmen, dass ich aber Kinderbetreuungskosten haben würde und darum sehr gerne das Angebot annehmen würde. Bis heute* blieb eine Kontaktaufnahme seitens der TAZ-Organisation mit mir zu diesem Thema aus.

2. _Die Moderation war zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema überhaupt nicht geeignet._ Die Person, die diese Podiumsdiskussion hätte moderieren müssen, wäre zu einem echten Gespräch bereit gewesen. Die TAZ hätte dafür eine Person wählen müssen, die qualifiziert ist, zum Thema eine Podiumsdiskussion zu führen. Herr Yücel ist aber eben für seinen unsensiblen Umgang mit Sprache bekannt und scheint Freude daran zu haben, so provokativ wie möglich zu sein. Ist eine Strategie. Wie dem auch sei. Ich habe trotzdem gedacht, weil es mir auch im Telefongespräch so versichert worden ist, dass es darum gehen würde, dass wir einander gegenseitig mit Respekt behandeln würden. Ich ging davon aus, dass im Kontext eines Podiums – also eines Gespräches von Angesicht zu Angesicht – Herr Yücel sich eventuell etwas zurücknehmen würde. Auch weil er auf dem Podium nicht als irgendeine Einzelperson da saß, sondern weil er die TAZ repräsentierte.

3. _Es gab sehr wenig Recherche zu meiner Person._ Der Moderator hatte zur Vorbereitung des Podiums versucht, mich einmal noch telefonisch zu erreichen – dann wurde allerdings trotzdem ein Artikel geschrieben, in dem offensichtlich wurde, dass außer „Rampensau,“ „Mutter“ und „Entertainer“ ihm nicht besonders viel mehr zu mir einfiel. Schade. Ich glaube, ich bin nicht auf das Podium eingeladen worden wegen dieser Attribute (wenn überhaupt von Rampensau und Entertainer die Rede sein kann). Ärgerlich, weil es sicherlich zu den Aufgaben einer guten Moderation gehört, die Gäste auszuwählen, einzuladen und sich über sie zu informieren. Ein gut ausgewähltes Podium ist wesentlich, damit die Meinungen, die repräsentiert werden, ausgewogen sind. Es scheint mir, maßgeblich für die Einladung war schlichtweg, dass ich Schwarz bin. Das hat als Qualifikation offensichtlich gereicht, damit Herr Yücel eine Person auf dem Podium hat, über die er sich lustig machen könnte. Es fehlte offensichtlich im Orga-Team an gutem Management, um im Vorfeld zu verhindern, dass Herr Yücel mit so wenig Kompetenz und Vorarbeit gerade dieses Podium moderieren sollte.

Ich hatte aber Hoffnung.

Am Tag der Veranstaltung lief eingangs alles gut. Vermutlich, weil ich sehr positiv gestimmt war und es auf die leichte Schulter genommen habe, dass der Moderator den Titel meines Buches nicht aussprechen konnte, sich dann darüber lustig machte, und zum Inhalt des Buches aber kein Wort verlor. Auch den Namen der Organisation zu deren Vorstand ich gehöre, hat er nicht richtig nennen können. Dass er die anderen beiden Panelist_innen, Mely Kiyak und Leo Fischer gut kannte, war ersichtlich und deren Vorstellungen beim Publikum entsprechend respektvoller.

Als es dazu kam, die Zitate in gendergerechter Sprache vorzulesen, merkte ich allmählich, wie ernst es mit dem Thema gemeint war: nämlich gar nicht. Es ging Herrn Yücel einzig und allein darum, sich darüber lustig zu machen und ich saß als einzige Person auf dem Podium, die versuchte gendergerechte Sprache zu rechtfertigen. Herr Yücel hatte sich offensichtlich nicht mit dem Thema ernsthaft auseinander gesetzt, keine erklärende Einführung wurde geliefert. Irgendwann war klar, dass die Diskussion um das N-Wort der Höhepunkt sein sollte. Als einzige Schwarze Person auf dem Podium war meine Position keine leichte. Ich war gefordert, sachlich und ruhig mit Personen zu diskutieren, die sich ganz offensichtlich weiterhin das Recht nehmen wollten, mich zu diskreditieren und respektlos zu behandeln. Wie sonst soll ich mir das erklären? Gäste einzuladen und sie dann öffentlich zu beleidigen beziehungsweise beleidigen zu lassen: das kann nicht in Eurem Sinne sein.

Denjenigen, die behaupten, ich hätte das Podium verlassen, weil ich es nicht ausgehalten habe, dass das N-Wort benutzt worden war, möchte ich Folgendes sagen.

Das hätte ich machen sollen.

Die Absprache im Vorfeld mit Herrn Yücel war, dass ich damit rechnen soll, dass das Wort ausgesprochen wird, aber dass es nicht übermäßig passieren wird („nicht in jedem fünften Satz“). Dass ich mich offensichtlich nicht klar genug ausgedrückt habe, wurde mir nach der dritten Folie der Powerpoint Präsentation klar, auf der das N-Wort vorkam und es vom Moderator vorgelesen wurde. Ich bin aber trotzdem noch eine ganze Weile sitzen geblieben. Ich habe immer wieder versucht, ruhig, klar und deutlich zu machen, dass das Wort verletzend für viele Schwarze Menschen ist, und es bitte nicht ausgesprochen werden sollte.

(Das Bild übrigens, das jetzt im Netz kursiert, mit mir auf dem Podium und dem N-Wort ganz groß hinter uns eingeblendet, ist ein kaum zu überbietender Affront).

Ich habe die Entscheidung auch nicht in dem Moment getroffen, als mein Sohn vor lauter Verzweiflung ob der Wiederholung dieses traumatisierenden Wortes Herrn Yücel laut gesagt hatte, er sollte doch einfach „N-Wort“ sagen. Ich wollte mein Kind eigentlich nicht weiterhin dieser Gewalt aussetzen. Das wäre auch ein passender Moment gewesen. Ich wollte aber bis zum Schluss bleiben. Ich hoffte auf Verständnis seitens Yücel und Kiyak. Der Grund warum ich letztendlich mein Mikrofon hingelegt habe, aufgestanden bin und die Veranstaltung verlassen habe, war, dass Herr Yücel dann anfing, lauthals herumzubrüllen und das Publikum zu beschimpfen, unter anderem hat er meinen Sohn direkt angeschrien. Ich wiederhole bewusst nicht, was er gesagt hat. Es sei einfach gesagt, dass es ein unwürdiger Auftritt für einen Moderator war, und in dem Moment hatte er meinen Respekt komplett verloren. Ich wunderte mich eigentlich, dass die anderen zwei Panelist_innen nicht gleich mit aufgestanden sind, denn für mich hieß klar, diejenigen, die bleiben, unterstützen das Geschehen. Ich wollte nicht mehr Teil einer so respektlosen, verhöhnenden Diskussion sein. Nicht nur mir gegenüber. Nicht nur meiner (Wahl-)Familie gegenüber. Sondern auch allen anderen gegenüber, mit denen ich versucht habe, mich solidarisch auszusprechen. Teile auch der Leserschaft der TAZ. Das war eine einzige Verarschung! Ich habe mehr von der tazlab-Organisation erwartet. Ich bin schwer enttäuscht.

Es gab vereinzelt Reaktionen von Mitarbeiter_innen der TAZ. Das hat mich gefreut. Aber es ersetzt nicht eine offizielle Ansprache und / oder Entschuldigungsersuchen seitens der Organisation. Stattdessen gingen die Beleidigungen munter weiter:

– Ein Artikel erschien noch am selben Abend, in dem die Ausfälle Yücels sehr verharmlost werden.

– Ein Bild von mir wird auf der Webseite veröffentlicht, versehen mit dem Namen der einzigen anderen Schwarzen Frau die ebenfalls auf ein Podium des Kongresses eingeladen war (und umgekehrt).

– Auf seinem Twitter-Account äußert sich Yücel abfällig zum Vorfall, zu meiner Person, zu den Leuten mit denen ich aktivistisch arbeite.

Ich wünsche mir, von Ihnen zu hören. Ich wünsche mir eine detaillierte Stellungnahme zu den Ereignissen und vor allem eine Erklärung dazu, wie sie es künftig besser machen wollen. Wo wir uns auf jeden Fall einig sind: so kann es nicht weitergehen.

 

Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde

Mit freundlichen Grüßen

Sharon Dodua Otoo

 

*Am 28.04.13 hat die taz mir Geld für Kinderbetreuung angeboten.

 

22. April 2013

liebe frau otoo,

ich kann ihren ärger, ihren verdruss von herzen verstehen. ich bitte sie zugleich mein wort ernst zu nehmen: deniz yücel gehört – in der taz ohnehin – in der deutschen publizistik für einen der entschiedensten und wahrhaftigsten streiter gegen jede art von rassismus. haben sie ihm eigentlich auch geschrieben? das würde mich freuen, denn das gespräch zwischen ihnen sollte auf keinen fall abbrechen. mehr noch: nicht über ihn ohne ihn geführt werden,

sehr herzlich, jan feddersen

(Jan Feddersen ist ein Journalist und Redakteur bei der Berliner Tageszeitung taz)

 

23. April 2013

sehr geehrte sharon otoo
ich würde mich sehr gerne persönlich mit ihnen über das taz.lab und die sich darauf beziehende kolumne von deniz yücel persönlich unterhalten und ihnen die möglichkeit geben, in der taz stellung zu beziehen.
leider erreiche ich sie nicht über die mobilnummer, die ich von ihnen habe. deshalb der versuch der kontaktaufnahme auf diesem wege.
mit besten grüßen
Ines Pohl
taz Chefredakteurin

 

 24.April 2013

Sehr geehrte Frau Pohl,

vielen Dank für Ihre Mail.
Gerne können wir uns zu einem persönlichen Gespräch treffen. Als wichtige Grundlage für dieses Gespräch wäre eine veröffentlichte Stellungnahme der taz Redaktion nötig. Mir ist es wichtig klarzustellen, dass es nicht um eine persönliche Auseinandersetzung zwischen Deniz und Sharon geht. Es geht um die Haltung der taz zum Thema Diskriminierung, Rassismus, Macht sowohl in der Sprache im allgemeinen als auch wenn es in der taz Redaktion praktiziert wird.
Mit freundlichen Grüßen
Sharon Otoo

 

 

24. April 2013

sehr geehrte frau otoo,
danke fuer ihre antwort.
das angebot, selbst einen artikel zu schreiben, moechten sie nicht anbehmen?

Beste Grüsse
Ines Pohl

 

 

24. April 2013

Sehr geehrte Frau Pohl,

Mit Verlaub, das Angebot kommt reichlich spät. Ich lehne dankend ab.

Mit freundlichen Grüßen
Sharon Otoo

 

 

25.April 2013

Die Stellungnahme der taz Chefredaktion.

 

 

28.04.2013

Sehr geehrte Frau Pohl

Im Gespräch mit Ihrem Kollegen Daniel Bax habe ich mich doch entschieden, einen Artikel zu schreiben, denn es sind einige Unwahrheiten und falsche Behauptungen im Umlauf, die nicht so stehen bleiben sollen.  Im Anhang sende ich Ihnen diesen Artikel.
Mit freundlichen Grüßen

Sharon Otoo

 

02.05.13

Die ISD veröffentlicht eine eigene Stellungnahme

15 Kommentare

  1. Liebe Sharon Otoo,

    seit Tagen verfolge ich die Berichte über die Veranstaltung und die Positionierungen in der taz mit Entsetzen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich die taz anschreibe und um eine klare Positionierung zu rassistischen Artikeln bitte. Wenn ich überhaupt eine Antwort erhalte wird auf die Meinungspluralität verwiesen. Fragen nach Grenzen und inhaltlichen Standarts werden nicht beantwortet. Mir scheint, hierzu gibt es keine ernsthafte Auseinandersetzung in der Zeitung – oder ganz viel Abwehr und white supremacy.

    Es ist so eine Aneinanderreihung von Unverschämtheiten wie mit Dir umgegangen wurde – und welche Menschenverachtung da Raum bis heute noch gegeben wird. Und sie bringen noch nicht mal eine inhaltliche Antwort auf deinen Brief. Ja, es ist kein Konflikt zwischen Deniz und Sharoon sondern ein Thema für die politische Ausrichtung der taz.

    Auch darum ist die von dir geforderte Grundlage wirklich wichtig:
    „Als wichtige Grundlage für dieses Gespräch wäre eine veröffentlichte Stellungnahme der taz Redaktion nötig. Mir ist es wichtig klarzustellen, dass es nicht um eine persönliche Auseinandersetzung zwischen Deniz und Sharon geht. Es geht um die Haltung der taz zum Thema Diskriminierung, Rassismus, Macht sowohl in der Sprache im allgemeinen als auch wenn es in der taz Redaktion praktiziert wird.“

    ich frage mich, welche Ziele die taz verfolgt, in dem sie so einem Provokateur so viel Raum und Macht gibt.

    viel Kraft Dir!!
    Annette Kübler

  2. Mit bedauern lese ich von der Nicht-Reaktion und fehlenden eindeutigen Positionierung seitens der taz-Redaktion gegenüber rassistischer Diskriminierung auf der besagten Podiumsdiskussion des tazlab.

    Anfang des Jahres richtete die taz einen Medienworkshop für NGOs aus, bei dem ich stellvertretend für die Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen anwesend war, worüber ich mich an sich sehr gefreut habe.

    In einem der Panels war ein Journalist der Berliner Zeitung als Referent eingeladen. In seinem Vortrag kam er irgendwann auf den Punkt „pressegerechte“ Sprache und wollte darauf hinweisen, dass bestimmte Wortkreationen wie „People of colour“ oder eine gendersensible Sprache nicht gut ankämen bei der Redaktion und der LeserInnenschaft. In diesem Zusammenhang fiel mehrfach das N-Wort – von ihm sowie von den OrganisatorInnen des taz-workshops. Auch die Anwesenheit eines Schwarzen führte zu keiner Sensibilität und respektvollem Umgang. Neben dem N-Wort wurde auch Unbehagen über Formulierungen wie Sinti und Roma geäußert. Das Z-Wort, derzeit leider inflationär in den Medien verwendet, wurde statt dessen befürwortet und zu Rechtfertigung wurde eine Familie herangezogen, deren Selbstbezeichnung „Zigeuner“ ist. Diese eine Familie sollte offensichtlich die Legitimierung dafür sein, über alle Roma-Minderheiten als Z****** zu sprechen.
    Ich war zutiefst erschrocken über das unsensible Sprachverhalten und hätte das nicht bei der taz erwartet. Erst nach einem harschen Eingreifen meinerseits wurden die rassistischen Wörter nicht weiter gebraucht. Eine Diskussion über Sprache, die doch gerade bei einem Medienworshop sehr passend wäre und spätestens nach dieser diskriminierenden Situation in meinen Augen hätte geführt werden müssen, wurde leider seitens der OrganisatorInnen abgewimmelt.

    Der kürzliche Fall auf dem tazlab und der von mir geschilderte Fall zeigen ein tiefergehendes Problem. Die diskriminierenden Diskurse innerhalb der Gesellschaft machen offenbar nicht vor einer linksliberalen Zeitung wie der taz halt. Das erschreckt mich sehr. Einerseits sind in der taz beispielsweise oft kritische Artikel über Rassismus in Behörden, an öffentlichen Orten etc wie zum Beispiel über racial-Profiling (rassistische Polizeikontrollen) zu lesen, andererseits gibt es kein Bewusstsein über nicht-diskriminierende Sprache.

    Ein ernst gemeinter Rat weil ich die taz auch in Zukunft noch lesen und ernst nehmen möchte: Antirassistische Trainings für alle MitarbeiterInnen und eine Auseinandersetzung über Sprache und dessen Mächtigkeit und einem notwendigen sensiblen Umgang mit Sprache. Um die Gesellschaft zu verändern, muss als wesentlicher Teil die Sprache geändert werden. Die taz sollte sich dessen bewusst werden und ihren möglichen Teil für eine gleichberechtigte und gerechte Gesellschaft beitragen.

  3. sehr geehrte frau pohl,

    bitte tragen Sie das Ihnen mögliche dazu bei

    1) dass in der taz viel viel häufiger menschen zu wort kommen, die sich mit rassismus wirklich beschäftigt haben. grada kilomba, die menschen der ISD, paul mecheril, mark terkessidis, mekonnen mesghena uvam . früher gab es eine frauenseite. heute scheint mir eine tägliche white supremacy seite notwendig, um die kolleg_innen und leser_innen mitzunehmen in eine welt, in der wir angemessen und rassismus-kritisch miteinander umgehen.
    2) dass sie die taz belegschaft ernsthaft mit alltags-rassismus, strukturellem rassismus und white supremacy auseinandersetzt
    3) dass diese unsägliche veranstaltung – vom titel über die nicht-vorbereitung und die zusammensetzung des podiums über den unqualifizierten moderator bis zum verlauf und den skandalösen veröffentlichungen hinterher – wirkliche konsequenzen hat in der zeitung, so dass es wieder eine progressive zeitung für alle und für die zukunft in unserem land wird.

    mfG
    annette kübler

  4. Ich fordere eine Stellungnahme der Chefredaktion, zB im Hausblog. Wenn diese vorliegt, würde ich an eurer Stelle in der taz einen Artikel schreiben. Zu spät ist es dafür nicht, finde ich, außer man hält die taz für eine wertelose postmoderne Scheißzeitung, was auch eine Haltung wäre.

    • Vielen Dank, Frau Seeliger, Sie haben mein seit einiger Zeit schwelendes Unbehagen mit der taz in exakt treffende Worte gefasst.

  5. Sehr geehrter Herr Feddersen,

    1) Womit genau hat Herr Yücel bei seiner tazlab-Moderation am entschiedensten und wahrhaftigsten gegen jede Art von Rassismus gestritten? Welche Sätze waren es, die er gesagt hat, welche seiner Gesten und Blicke, mit denen er dem Rassismus den Garaus gemacht hätte?

    2) Wie wollen Sie Ihren Hinweis darauf verstanden wissen, dass die Geltung und Reichweite Herrn Yücels sich nicht nur auf die taz beschränkten, sondern in der ganzen deutschen Publizistik wirksam seien? Und was hat dieser Hinweis mit dem Brief von Frau Otoo zu tun? Auf welche Stelle im Brief beziehen Sie sich mit diesem Hinweis?

    3) Worin genau besteht Ihr Interesse daran, dass Frau Otoo sich erneut und weiterhin von Herrn Yücel beleidigen lassen soll? Was ist es ganz genau, das Sie daran freuen würde, was gefällt Ihnen daran?

    4) Welchen Sinn sehen Sie in einem Gespräch zwischen zwei Personen, von denen die eine, namentlich Herr Yücel, zweifelsfrei dargelegt hat, dass sie nicht nur zu einem Gespräch überhaupt nicht bereit ist, sondern darüberhinaus ihr Gegenüber, namentlich Frau Otoo, nicht einmal anerkennt? Welchen Erkenntnisgewinn für wen versprechen Sie sich von einem solchen „Gespräch“?

    6) Welche Gründe haben Sie dafür anzuführen, dass nicht ohne Herrn Yücel über Herrn Yücel gesprochen werden sollte? Was ganz genau spricht warum dagegen?

    Bitte haben Sie in Ihrem Herzen Verständnis dafür, dass ich für Ihr Herzensverständnis leider keine Verwendung habe, um so dringender aber Antworten auf diese 6 Fragen benötige,

    eine taz-Leserin

    Sehr geehrte Frau Pohl,

    1) Warum wiederholen Sie bei ihrem Wunsch, sich mit Frau Otoo über das tazlab und Herrn Yücels Kolumne zu unterhalten, das Wort „persönlich“, und das auch noch syntaktisch falsch? Glauben Sie, man hätte Ihren Wunsch nach dem Persönlichen nicht verstanden, wenn Sie es nur einmal gesagt hätten?

    2) Woher genau kommt dieser Wunsch nach dem Persönlichen und wo soll das Persönliche hinführen? Was können die Leserinnen und Leser der taz von einem solchen persönlichen Gespräch lernen? Auf welche Art und Weise dient ein solches persönliches Gespräch dem Kampf gegen Rassismus?

    2) Welche Gründe haben Sie anzuführen, die Forderung von Frau Otoo nach einer detailierten Stellungnahme und einer offiziellen taz-Erklärung zu ignorieren? Was ganz genau an dieser Forderung ist es, das Sie veranlasst, nicht darauf zu antworten?

    3) Welche Gründe haben Sie anzuführen, stattdessen Frau Otoo in der taz Stellung nehmen lassen zu wollen? Was ist es genau, das Sie auf den Gedanken gebracht hat, die Stellungnahme müsste nicht von Ihnen, sondern von Frau Otoo kommen?

    dieselbe taz-Leserin

    • Und auch ich habe noch eine Frage an Herrn Feddersen:
      warum durfte sich dann Herr Yücel noch mehrfach in Ihrem Medium ausmähren, ohne dass hier die Rede davon war, dass man diese Diskussion nicht weiter ohne Frau Otoo (mit) über sie führen sollte? Die Meinungen von Deniz Yücel sind uns allen sattsam bekannt, man kann keine taz lesen ohne um sie herum zukommen. Die Leute hier und in den Kommentarthreads der taz und facebooks warten sehrnsüchtig tatsächlich auf eine Stellungnahme der taz-Chefredaktion zum Geschehenen. Herrgott nochmal, ist das so schwer?

  6. Die Antwort von Jan Feddersen ist ja unglaublich peinlich. Soll mal lieber beim Grand Prix bleiben, der Gute, leichte Unterhaltung liegt ihm wohl eher.

    Ingesamt spricht aus den Antworten der taz eine Wagenburgmentalität, die ich dieser Zeitung eigentlich nicht zugetraut hätte. Schade!

    Zum Abschluss stelle ich erschrocken fest, dass es weder Feddersen noch Ines Pohl schaffen, fünf Zeilen ohne Fehler oder grammatikalische Merkwürdigkeiten zu verfassen. Aber das gehört nicht hierher.

  7. Liebe Sharon Otoo,

    ich habe meinem Ärger über die taz schon in deren Kommentarspalten Ausdruck verliehen, nur befürchte ich, dass die schon seit einer Weile niemand mehr liest. Ich würde gerne mein Abo kündigen, aber das habe ich schon vor einigen Monaten getan. Also bleibt mir nur, mich dafür zu bedanken, dass sie eine öffentliche Auseinandersetzung und Stellungnahme einfordern, und diese Forderung zu unterstreichen. Es ist wirklich ziemlich erschreckend, dass eine im Selbstverständnis antirassistische Zeitung einfach nicht reagiert. Und weil es eben auch um die Haltung der taz geht, würde es m.E. nicht sehr viel bringen, wenn Sie einen Artikel dort schreiben – das ist m.E. der Versuch, die Sache auf einen „persönlichen“ Konflikt Yücel vs. Otoo zu reduzieren.

    • Vielen Dank Maja,
      Nun habe ich doch eine Stellungnahme geschrieben.
      Nachdem soviele Lügen verbreitet worden sind, war es mir doch wichtig, meine Seite zu erzählen.
      Hier ist sie: http://www.taz.de/Eklat-bei-tazlab-Veranstaltung/!115381/
      Sharon / ISD Vorstand

  8. Als weiß positionierter Priviligierter sehe ich meine Aufgabe nicht darin, einem negativ von Rassismus Betroffenen vorzuschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Deniz Yücel macht Veranstatlungen, auf denen er Leserbriefe an ihn vorliest. Darin heißt es zum Beispiel (Triggerwarnung: Rassistische Sprache, die Retraumatisierungen auslösen kann): “Ein Ausländer bleibt immer ein Ausländer. Siehe Türken.” Oder: “Gehen Sie doch zurück nach Fickdeppenarschland, wo Sie herkommen!” Oder: “Ich bin dafür, Ausländer auch mit deutscher Staatsbürgerschaft abzuschieben.” Oder: “Sie erzeugen doch nur Vorurteile bei Leuten, die vorher keine hatten.” Oder: “Den Sprung vom Eselskarren zur E-Klasse scheinen Sie nicht verkraftet zu haben.” Politically Incorrect bezeichnet ihn ironisch als “grün-migrantische, multikulturelle, islamische “Bereicherung””.

    Als negativ von Rassismus Betroffener hat Deniz Yücel das Recht, selbst zu entscheiden, wie er das verarbeitet und wie er damit umgeht. Ich sehe meine Aufgabe darin, ihm zuzuhören, ihm Raum zu geben und meine Privilegien zu reflektieren.

  9. Liebe Sharon Otoo,

    vielen herzlichen Dank für den Mut, die Kraft, den außerordentlichen emanzipatorischen Geist, den wir hier in Deutschland brauchen, damit sich auch diese Gesellschaft hier im Land weiterentwickelt und nicht im Stillstand verharrt.
    Was dem Herren von der taz (Yücel) wohl durch den Kopf gegangen ist, als man ihn um eine Prise Höfflichkeit gebeten hat? Als weiß positionierter Türkei-stämmiger (und in Deutschland auch in anderen Räumen privilegiert und weiß positioniert) ist es scheinbar für ihn eine lästige Verpflichtung sich einer Sprache zu bedienen, die auf die Würde des anderen Menschen achtet. Davon können meine Eltern, die aus der Türkei sind und nicht weiß positioniert sind, ein trauriges Lied singen. Ich meinerseits kann nachvollziehen was für eine unzumutbare Belastung es ist, verletzende Wörter zu hören.
    Es ist außerordentlich rassistisch was passiert ist und ich denke bei einer Zeitung, die sich links positioniert sollte Anti-Rassismus nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Ich schlage der taz-Chefredaktion vor mal ihre Hirnwindungen neu zu ölen und sich mit Themen zu befassen (nicht Inhalte zu klauen!!!), die im taz Haus offensichtlich noch nicht angekommen sind. Her mit einer Kolumne für Sharon Otoo und für Noah Sow, dann lohnt sich meinerseits wieder ein Abo.
    Und ich hoffe auch für Sie Frau Otoo, dass Ihre Stellungnahme in der taz nicht kostenlos abgedruckt wird.

    • Toll!
      Was für Statements sind da dran geklebt?
      Sharon / ISD Vorstand

  10. Hallo,

    Kommentare zum Text Krach um das N-Wort auf dem tazhausblog.
    Ein witziger zum Thema bügeln.
    Mit dem Bügelbrett wollte ich einen Leserbrief verschicken, wichtig war mir nach dem Artikel vom Philipp Möcklinghoff klar zu stellen, die Aggression ging vom Moderator aus, nicht vom Puplikum, die Ereignisse wurden nicht richtig dargestellt. Es war nicht das Ziel das Thema ernsthaft zu diskutieren. Es wurden Anwesende beleidigt usw. Das tazlab Thema „Erfindet so kann es nicht weitergehen“, war mit diesem Auftritt für mich dahin.
    Unter den Kommentaren waren einige dabei die das bereits sehr gut thematisiert hatten, daher meine Idee diese Kommentare in Form von Sprechblasen auf das Bügelbrett zu kleben.
    Es war leider nicht genügend Platz und Zeit, das noch besser zu gestalten.
    Adressiert ist das Paket an Ines Pohl, aber ich hoffe Ihr könnt nun auch darüber schmunzeln. Die Veröffentlichung des Fotos hat mich überrascht.

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